Kieferentzündung

Was ist Kieferentzündung

 

Der Arzt spricht bei einer Kieferentzündung von einer Kiefer Osteomyelitis, einer Alveolitis, einer Otitis, oder von einer Periostitis. Wieso so viele Begriffe für ein und das gleiche Leiden? Da sich der Knochen selbst nicht entzünden kann, Knochen ist ja nur ein Kalkgerüst, wären Osteomyelitis (bedeutet Knochenmarkentzündung), bzw. Periostitis (bedeutet Knochenhautentzündung) die treffenden Bezeichnungen für eine Knochenentzündung. Trotzdem gibt es viele Begriffe für diese Erkrankung, denn häufig fließen in die Bezeichnung zusätzliche ärztliche Information ein und so entwickelten sich je nach Land und Region der eine, oder andere Begriff – hier ein paar Beispiele:

  • Ostitis apicalis = Parodontitis apicalis = Kieferknochenentzündung um die Wurzelspitze eines Zahnes
  • Ostitis condensans = überschießende Knochenneubau bei Osteomyelitis (es wird auch häufig von Osteosklerose gesprochen)
  • Ostitis deformans = Paget Syndrom = spezielle Sonderform einer Knochenerkrankung die mit Knochenentzündungen assoziert ist
  • Ostitis fibrosa chondroficans = spezielle Erkrankung – fibröse Dysplasie
  • Ostitis fibrosa maxillarum = Frangenheim Rupp Syndrom = spezielle Erkrankung, die durch langsam fortschreitende Verformung meist des Oberkiefers gekennzeichnet ist
  • Ostitis fungosa = produktive Knochentuberkulose
  • Ostitis periapicalis = Knochenentzündung im Bereich der Wurzelspitze infolge einer Infektion über den Wurzelkanal = Parodontitis apicalis
  • Ostitis purulenta = eitrige Entzündung des Knochens
  • Ostitis rareficans = höhlenartige Resorptionen bei Osteomyelitis
  • u.v.a.

Egal welcher Begriff verwendet wird, meist liegt eine Infektion mit einem Erreger vor, das können Pilze, Bakterien, oder Parasiten sein, man spricht dann von einer exogenen (= von außen kommend) Knochenentzündung. Kommt die Ursache von innen, dann findet man häufig auch den Ausdruck endogene Knochenentzündung. Selten findet man keine eindeutige Ursache für die Kieferknochenentzündung, dann spricht man von einer idiopathischen Knochenentzündung.

Exogene  Faktoren sind sämtliche Bakterien, Viren und Pilze. Sie stellen potenzielle Krankheitserreger dar. Gelangen diese Krankheitserreger in unseren Körper, dann können sie eine Entzündung verursachen. Spielt sich die Entzündung im Knochen ab, spricht man eben von einer Knochenentzündung.

Bei den endogenen Faktoren liegt die Ursache in unserem Körper selbst. Zum Beispiel bei Diabetikern – der erhöhte Zuckerspiegel eines Diabetikers führt dazu, dass die Gefäßwände dicker und dicker werden, die Knochen Durchblutung wird immer schlechter. Die Durchblutung kann so schlecht werden, dass bestimmte Körperareale nicht mehr gut durchblutet werden, das entsprechende Gewebe stirbt aufgrund von Sauerstoffmangel ab und wird im Zuge einer Entzündungsreaktion abgebaut –  dies kann auch im Knochen vorkommen, das wäre ein Beispiel einer endogenen Osteomyelitis .

Die idiopathische Osteomyelitis schließlich bedeutet für den Patienten, dass die Mediziner keine passende Erklärung finden können.

Diagnose der Kieferentzündung

Ein Röntgen kann dem Arzt sehr viel Auskunft über den Knochen geben, will man es genauer wissen hilft häufig ein CT oder ein MRT. CT und MRT sind in einem chronischen Stadium der Kieferentzündung meist sehr zuverlässige Hilfsmittel, in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung ist ihr Nutzen aber eingeschränkt. Nuklearmedizinische Untersuchungen wie die Skelettszintigraphie (Tc-99m) werden häufig als Suchmethoden einer Osteomyelitis eingesetzt. Dabei wird das radioaktive Element Technetium, nach der Verabreichung über die Vene, in Bereichen mit erhöhtem Knochenstoffwechsel angereichert.

Von außen kann dann diese erhöhte Anreicherung mit einer speziellen Kamera detektiert werden. Leider kann mit dieser Methode aber nicht zwischen den jeweiligen Ursachen des erhöhten Knochenstoffwechsels unterschieden werden. Ist die Ursache eine Entzündung oder doch nur ein gutartiger Knochenumbau? Durch die Zugabe von speziellen Faktoren (markierte Anti-Granulozyten-Antikörper als Zusatzuntersuchung) kann die Spezifität der Untersuchung erhöht werden.

Blutuntersuchungen sind ebenfalls nicht spezifisch und leider korrelieren die Entzündungswerte des Blutes nicht mit denen der Osteomyelitis – vor allem im Kieferbereich.

Die Knochenbiopsie ist meistens die sicherste Diagnosemethode, so kann der Knochen einerseits unter dem Mikroskop genau betrachtet werden (Histologie), zudem wird versucht die entsprechenden Erreger im Reagenzglas zu isolieren (Bakteriologie).

Gelingt die Isolation des Bakteriums, dann wird ein Antibiogramm durchgeführt, so findet man das richtige Antibiotikum, welches die Erreger zerstört. Jedoch hat die Knochenbiopsie einige Nachteile. Die Untersuchung ist invasiv (d.h. eine Wunde ist unvermeidbar) und nicht alle Knochenregionen sind leicht biopsierbar. Auch gelingt der Bakteriennachweis nicht immer oder es kommt während der Probeentnahme zur Kontamination der Probe z.B. mit unspezifischen Keimen aus der Mundhöhle.

Behandlung der Kieferentzündung

Für die Behandlung stehen verschiedene Konzepte zur Verfügung – im schlimmsten Fall muss der betroffene Knochen entfernt werden, dies ist aber sehr selten nötig. Die häufigste und einfachste Behandlungsmöglichkeit ist die Antibiotikagabe, die Medikamente können geschluckt oder über die Vene verabreicht werden – letzteres führt zu einer höheren Wirkstoffkonzentrationen im Blut.

Bei der Sauerstofftherapie kommt es zu einer Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff, denn in das Innere des entzündeten Knochens kommt häufig zu wenig Blut und somit Sauerstoff. Eine ideale Voraussetzung für die Vermehrung von Bakterien die keinen Sauerstoff mögen – sogenannte Anaerobier. Sauerstoffreiches Blut soll dem entgegen wirken, nach dem Motto: wenig, aber dafür angereichertes Blut.

Eine weitere viel versprechende Therapie ist die Entfernung des erkrankten Knochens und ein auffüllen des entstandenen Defektes mit Antibiotika inkubiertem Spenderknochen. Das Antibiotikum wird kontinuierlich über Monate vom Spenderknochen an den Körper abgegeben, zugleich kann der gesetzte Knochendefekt regenerieren. Vorteil dieser Therapie ist, dass im erkrankten Gebiet weitaus höhere Medikamentenkonzentrationen als über die herkömmliche Verabreichung (über Mund, oder die Vene) erzielt werden. Langzeituntersuchungen sind aber noch ausständig, sodass der Nutzen dieser Therapie erst in einigen Jahren bewertet werden kann.